12. September 2012

# 14 | Wortschmiede


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Wir senden Grüße von hier bis an das Ende der Wüste.
Der Lauteste von allen ist nicht immer der Klügste.
Zu viele Kürbisköpfe feiern ständig Halloween.
Und auch die leisen Töne machen Melodien.

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Blumentopf | Titel: Leise Töne | Album: Großes Kino


 

Auf der Suche nach eigentlich etwas ganz anderem, kam mir dieser Text unter. Ein Liedausschnitt. Lieder begleiten das Leben. Lieder verknüpfen sich mit Stimmungen und Gefühlen. Lieder sind Momentaufnahmen des Lebens. Und so öffnet sich beim Wiederhören ein Tor zu damals. Oder auch nicht. Wie in diesem speziellen Fall. Bzw. ist es weniger das Lied, dessen Bedeutung oder Anlass sich meiner verwehrt, sondern der Text, den ich darunter fand. Offenbar ein Text der von mir stammt. Offenbar deshalb, weil ich mich absolut nicht daran erinnern kann, ihn geschrieben zu haben. Aber das finde ich nicht weiter verwunderlich, immerhin gibts ihn schon eine ganze Weile:



...und ohne es zu merken ist man auf einmal so, wie man nie sein wollte.
Das, was man früher an Anderen leider feststellen musste, trifft auf dich selbst zu! Du bist einfach in dieser Welle mitgetrieben, stupides Wogen, auf und ab die lauten Stimmen, Ellbogen volle Kraft voraus. Hast gebrüllt und abgewiegelt, untergebuttert und übergangen, die Stimme überhört und großkotzig als unwichtig, gar nervend abgetan. Aber wusstest du nicht im Inneren, dass diese Stimme recht hatte? Dass sie genau das auf den Kopf traf, was schon eingetreten war? Dass sie dich schlichtweg daran erinnerte, wie du geworden warst, wie du dich verhieltst, und du diese Stimme nicht hören wolltest, gerade deswegen?! Dass du die Stimme unter dem Gebrüll von anderen Stimmen und deiner eigenen nicht gehört hast ist nicht wahr. Sie war dir einfach nicht bewusst, aber das ist keinen Entschuldigung. Also musste die Stimme lauter werden, vielleicht zum letzten Mal, ehe sie untergehen würde? Doch dieses Mal hast du sie gehört. Dieses Mal drang sie wirklich zu dir durch. Würdest du das alles sonst schreiben? Endlich hast du die Stimme gehört und eingesehen, hast den Hilferuf der ertrinkenden Stimme gehört. Und du wirst sie nicht untergehen lassen, nicht überrollen, sondern ihr zuhören. Endlich bist du stehen geblieben und bist nicht weiter mitgewogt. Was tun? Was tun? Fressen oder gefressen werden - ein eiskalter Kampf. Und doch sind die Stimmen hitzig und die Köpfe rot.


Man kann es nicht länger abtun. Es ist gefährlich. "Je länger man schläft, desto müder wird man". Wie wahr. Aber wer lange geschlafen hat, kann gottseidank auch aufwachen ohne sich verschlafen die Augen zu reiben. Er kann auch erschreckt hochfahren wie aus einem bösen Traum. Nur dass der Traum kein Traum war, sondern wahr.


"Der Lauteste von allen ist nicht immer der Klügste...[...]... und auch die leisen Töne machen Melodien". Nein. Klug ist es nicht. Man ist nur laut, weil alle laut sind und man muss lauter sein, damit man gehört wird. So scheint es. Im Grunde ist es nur ein verzweifelter Versuch gehört zu werden. Man hat nicht mehr oder weniger zu sagen als eine leise Stimme - man ist eben nur eins: lauter. Das hat nichts zu sagen.


Aber leider doch: Unter den Lauten hört man die Leisen  nicht. Dazu müsste man nämlich selbst einmal den Mund halten und seine eigenen Ängste hinten an stellen. Aber, frei nach dem Motto: "Jeder ist sich selbst der Nächste" und: "Jedem das Seine und mir Alles", wird gebrüllt was das Zeug hält. Armer leise Stimme...


1 Kommentar:

  1. Welch schöne Worte du gefunden hast. Haben mich sehr zum Nachdenken angeregt!

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